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Für etwas kämpfen statt gegen alles
Wer sich öffentlich gegen Rechtspopulismus positioniert, lernt schnell eine besondere Form politischer Kommunikation kennen. Man wird als linksgrün, als Systemling, als Gutmensch oder als Teil einer angeblich korrupten Elite bezeichnet. Manchmal sachlich, oft nicht. Deshalb war ich zunächst überrascht, als mir ein AfD-Wähler eine Frage stellte, die weder als Beleidigung noch als Unterstellung gemeint war. Seine Frage lautete: „Warum ist so einer wie du bei den Grünen?“ Je län
Guenter Joachim Disch
5. Juni5 Min. Lesezeit


Wenn Wut nach unten gelenkt wird – warum viele Menschen gegen ihre eigenen sozialen Interessen wählen
Es gehört zu den großen politischen Paradoxien unserer Zeit: Gerade Menschen mit geringem Einkommen oder aus der Mittelschicht wählen zunehmend Parteien, deren Wirtschafts- und Steuerpolitik ihre eigene soziale Lage oft kaum verbessert – manchmal sogar verschlechtert. Auf den ersten Blick wirkt das irrational. Warum unterstützt jemand politische Konzepte, die vor allem Vermögende entlasten, während öffentliche Infrastruktur, soziale Sicherungssysteme oder Bildungseinrichtunge
Guenter Joachim Disch
19. Mai3 Min. Lesezeit


„Heinrich Heine ist mein Lieblingsdichter“ – oder: Wenn politische Selbstbilder auf Literaturgeschichte treffen
„Ihr Lieblingsdichter?“ Tino Chrupalla antwortet im Interview ohne lange nachzudenken: „Heinrich Heine.“ Diese Szene haben viele schon gesehen. Und sie wirkt genau deshalb so bemerkenswert, weil sie auf den ersten Blick so gar nicht in das übliche politische Erwartungsbild passt. Denn ausgerechnet Heinrich Heine. Jener Heinrich Heine, der den deutschen Nationalismus scharf verspottete, der patriotische Selbstinszenierung literarisch zerlegte, der Kirche und Autoritäten mit be
Guenter Joachim Disch
19. Mai3 Min. Lesezeit


„Protestwähler“ klingt harmlos. Fast unschuldig.
Ein bisschen Frust, ein bisschen Wut, ein Denkzettel für „die da oben“. Doch genau diese Verharmlosung ist längst Teil des Problems. Wer heute AfD wählt, kann nicht mehr behaupten, er wisse nicht, wen oder was er da unterstützt. Nicht nach den Deportationsfantasien. Nicht nach den Relativierungen des Nationalsozialismus. Nicht nach den menschenverachtenden Aussagen gegen Migranten, Homosexuelle oder politische Gegner. Nicht nach den rechtsextremen Netzwerken. Nicht nach den..
Guenter Joachim Disch
18. Mai3 Min. Lesezeit


„Das System kam über uns“
Warum die AfD im Osten so stark ist – und warum das keine Entschuldigung sein darf „Meine Mutter sagte einmal, sie habe sich gefühlt, als wäre sie ausgewandert, ohne umzuziehen.“ Der Satz stammt von der Mutter eines Ostdeutschen, der heute in Hamburg lebt. Aber in diesem einen Satz steckt vermutlich mehr über die Wendezeit als in vielen politischen Debatten der letzten Jahrzehnte. Denn er beschreibt etwas, das viele Menschen in Westdeutschland bis heute nur schwer nachvollzie
Guenter Joachim Disch
10. Mai3 Min. Lesezeit


Über die Stille der Neutralität
Es gibt Orte, die sich selbst als neutral beschreiben. Orte, an denen nichts stören soll. Keine großen Worte, keine klaren Zeichen, keine sichtbaren Unterschiede. Neutralität wirkt dort wie ein Versprechen: Hier bleibt es ruhig. Hier gehört niemand mehr oder weniger dazu. Hier muss sich niemand erklären. Doch Neutralität hat eine leise Seite. Sie zeigt sich nicht nur in dem, was fehlt – sondern auch in dem, was bleibt. Wenn Zeichen verschwinden, entsteht Raum. Ein Raum, der o
Guenter Joachim Disch
17. Apr.1 Min. Lesezeit


Zwischen Angst und Stillstand – Warum Demokratien gerade ihre größte Stärke verlieren
Europa steht vor einem Paradox, das gefährlicher ist als jede einzelne Krise unserer Zeit: Wir wissen, was zu tun wäre – aber wir tun es nicht. Nicht, weil uns die Mittel fehlen. Nicht, weil uns das Wissen fehlt. Sondern weil uns der Mut fehlt. Während autoritäre Systeme Entscheidungen in einer Geschwindigkeit treffen, die uns schwindelig macht, verlieren sich demokratische Staaten zunehmend im Zögern. In Koalitionsrunden, in Umfragen, in der Angst vor dem nächsten Wahltag. P
Guenter Joachim Disch
10. Apr.4 Min. Lesezeit


Über 55 und unsichtbar: Das größte Paradox des deutschen Arbeitsmarkts
Unternehmen jammern über Fachkräftemangel – und sortieren erfahrene Bewerber automatisch aus. Eine unbequeme Bestandsaufnahme. --- Der Appell und das Problem dahinter Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, hat es im Februar 2026 klar ausgesprochen: Das Erwerbspersonenpotenzial sinkt 2026 zum ersten Mal – um 40.000 Menschen. „Wir reden seit Jahren über Demografie – jetzt ist sie da", sagte Nahles der Deutschen Presse-Agentur. „Und das wird sich in de
Guenter Joachim Disch
8. Apr.4 Min. Lesezeit


Freund & Feind – Macht, Medien und Menschlichkeit im Spiegel eines Songs
Die ersten Zeilen wirken wie ein Gegenzauber in einer vergifteten Welt: „Meine Freunde sind Iraner, meine Freunde sind aus Gaza, meine Freunde sind Ukrainer, Russen und Amerikaner.“ Alix oder Nix – Freund & Feind Es ist ein Satz, der sich der Logik unserer Zeit widersetzt. Während politische Debatten immer stärker auf Abgrenzung beruhen, während Kriege wieder entlang von Identitäten erklärt werden – Nation, Religion, Kultur – stellt dieser Song eine radikale Behauptung auf: D
Guenter Joachim Disch
31. März3 Min. Lesezeit


Du könntest meinen, Wut wäre das Erste, was kommt. Aber es ist etwas anderes.
Ich starre auf die Zahlen: 20 % für die AfD in Rheinland-Pfalz. Und ich merke, wie sich etwas in mir zusammenzieht. Keine Explosion. Kein Aufschrei. Eher eine stille, schwere Fassungslosigkeit. So eine Müdigkeit, die man nicht abschütteln kann. Ich schaue in die USA. Ich erinnere mich daran, was dort passiert ist, als Menschen wie Trump an die Macht kamen. Wie schnell sich Sprache verändert hat. Wie aus Lügen „alternative Fakten“ wurden. Wie Drohungen gegen Gerichte plötzlich
Guenter Joachim Disch
23. März2 Min. Lesezeit


Perspektiven, die die Welt öffnen. Am Anfang war es eine Probe.
Ein leerer Theaterraum, ein paar Stühle auf der Bühne, der Geruch von Staub und Holz. Jemand probiert einen Satz aus, wieder und wieder. Eine Schauspielerin geht zwei Schritte nach vorne, bleibt stehen, sagt eine Zeile – und plötzlich verändert sich etwas im Raum. Ein Theaterraum ist im Grunde nichts anderes als ein leerer Raum, wie es Peter Brook in The Empty Space beschreibt: Mehr braucht es nicht, um Wirklichkeit zu erzeugen – ein Mensch, der handelt, und ein anderer, der
Guenter Joachim Disch
23. März3 Min. Lesezeit


Ein Pazifist im Krieg – Über Verantwortung, Realität und das Zerbrechen von Gewissheiten
Zum Film: https://www.zdf.de/arte/arte/ein-pazifist-im-krieg---tagebuch-eines-ukrainischen-soldaten-movie-100.html Ein Pazifist im Krieg ist kein Film über Heldentum. Er ist ein Film über Verantwortung. Und über die brutale Realität eines Krieges, der Europa verändert hat. Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine wird viel gesprochen – über Waffenlieferungen, Diplomatie, Eskalation, Abschreckung. Der Film führt weg von diesen abstrakten Debatten und hin zu dem, was politisc
Guenter Joachim Disch
21. März2 Min. Lesezeit


Wehrhafte Demokratie oder liberale Selbstberuhigung? Eine Replik auf Martensteins Plädoyer im Thalia-Theater
Das Theater darf zuspitzen. Es darf simulieren, provozieren, verdichten. Doch wenn reale politische Fragen auf einer Bühne verhandelt werden, bleiben sie reale politische Fragen. Im „Prozess“-Projekt des Thalia Theaters wurde die Möglichkeit eines AfD-Verbots als fiktives Verfahren inszeniert. Harald Martenstein trat dort als Redner gegen ein solches Verbot auf. Sein Kernargument: Eine Partei mit Millionen Wählerstimmen zu verbieten, könne selbst demokratiegefährdend sein. Da
Guenter Joachim Disch
21. März2 Min. Lesezeit


Die Inszenierung der Kompetenz – wie Talkshows Verantwortung simulieren und Wahrheit verlieren
Es ist ein vertrautes Bild: ein runder Tisch, gedimmtes Licht, Wassergläser, ernste Gesichter. Talkshows gelten als Orte der demokratischen Auseinandersetzung, als Räume, in denen unterschiedliche Positionen aufeinandertreffen und Orientierung entstehen soll. Doch je genauer man hinsieht, desto deutlicher wird: Was hier inszeniert wird, ist weniger Diskurs als Legitimation durch Sichtbarkeit. Wer regelmäßig eingeladen wird, gilt irgendwann als kompetent. Nicht, weil seine Aus
Guenter Joachim Disch
21. März3 Min. Lesezeit


Europa, der schlafende Gläubiger.
Während Donald Trump mit Zöllen droht, Grönland ins Spiel bringt und die transatlantischen Beziehungen zur Realityshow degradiert, reagiert Europa vorhersehbar brav: mit Zolltabellen, WTO-Regeln und der immer gleichen Frage, welche Gegenzölle nun „angemessen“ wären. Man könnte meinen, wir lebten noch im 20. Jahrhundert, als Macht sich vor allem in Containerladungen und Handelsbilanzen entschied. Dabei liegt Europas eigentliche Macht längst woanders: im Kapital. Deutschland is
Guenter Joachim Disch
20. März2 Min. Lesezeit


Demokratie im Stand-by-Modus
Wir leben in einer Demokratie – formal betrachtet. Wahlen finden statt, Parlamente tagen, Gesetze werden beschlossen. Und doch beschleicht viele Menschen das Gefühl, dass Entscheidungen zunehmend über ihre Köpfe hinweg getroffen werden. Dass Politik etwas ist, das mit ihnen geschieht, nicht durch sie. Dieses Gefühl ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis eines strukturellen Rückzugs der Gesellschaft aus ihren eigenen demokratischen Institutionen. Deutschland hat über 84 Millione
Guenter Joachim Disch
20. März3 Min. Lesezeit


Die Entwertung beginnt im Diskurs
Wenn Nikolaus Blome im Spiegel schreibt, Deutschland sei „viel zu nett“ und Arbeitslose wie Kriegsflüchtlinge könnten ihr Leben „à la carte“ wählen, dann ist das keine bloße Provokation. Es ist ein diskursiver Akt. Und wie Hannah Arendt immer wieder betont hat, beginnen politische Verwerfungen nicht mit Gewalt, sondern mit Sprache. Mit der Verschiebung dessen, was sagbar, denkbar und schließlich machbar wird. Der Ausdruck „à la carte“ ist dabei zentral. Er ersetzt Zwang durch
Guenter Joachim Disch
20. März3 Min. Lesezeit


Wer erzählt die Geschichte, bevor sie wahr ist.
Noch gibt es keine belastbaren Belege dafür, dass linke Gruppen für den Anschlag auf das Berliner Stromnetz verantwortlich sind. Das ist keine Schutzbehauptung, sondern der aktuelle Stand der Faktenlage. Die in Teilen der Berichterstattung bemühte „Vulkangruppe“ war seit Jahren nicht mehr aktiv und hat sich öffentlich von dem Anschlag distanziert. Allein dieser Umstand müsste journalistische Zurückhaltung erzwingen. Stattdessen erleben wir das Gegenteil: eine früh einsetzende
Guenter Joachim Disch
20. März2 Min. Lesezeit
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