Bürokratieabbau auf dem Rücken der Beschäftigten.
- Guenter Joachim Disch
- 20. März
- 1 Min. Lesezeit

Der Abbau des Arbeitszeitgesetzes hat mit Bürokratieabbau so viel zu tun wie Steuersenkungen für Milliardäre mit sozialer Gerechtigkeit: gar nichts.
Das Arbeitszeitgesetz ist keine Verwaltungsvorschrift, kein Formularmonster, kein Genehmigungsverfahren. Es ist Schutzrecht. Es schützt Beschäftigte vor Überlastung, Ausbeutung und gesundheitlichen Schäden. Seine Abschaffung oder Aufweichung reduziert keine Bürokratie – sie verschiebt Machtverhältnisse.
Was hier als „Flexibilisierung“ verkauft wird, ist in Wahrheit eine Umverteilung von Zeit und Gesundheit: von Beschäftigten hin zu Unternehmen. Wer Arbeitszeiten entgrenzt, entgrenzt Risiken – und diese Risiken tragen nicht Vorstände oder Eigentümer, sondern die, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen.
Der Verweis auf Bürokratie ist dabei rhetorischer Nebel. Bürokratieabbau wäre: weniger Berichtspflichten, weniger Doppelmeldungen, schnellere Genehmigungen, digitale Verfahren. Das Arbeitszeitgesetz kostet Unternehmen kein Papier, sondern Rücksicht. Und genau diese Rücksicht soll fallen.
Besonders zynisch wird es im Kontext der Verteilungspolitik. Während Beschäftigten mehr „Flexibilität“ abverlangt wird – faktisch mehr Verfügbarkeit –, bleiben große Vermögen und Erbschaften weitgehend unangetastet. Milliarden werden leistungslos vererbt, während diejenigen, die tatsächlich arbeiten, noch länger und unplanbarer arbeiten sollen.
Das ist kein Reformprojekt.
Das ist Klassenpolitik.
Wer ernsthaft Bürokratie abbauen will, müsste bei den Privilegien ansetzen, nicht bei den Schutzrechten.
Wer ernsthaft Leistung belohnen will, müsste Arbeit entlasten, nicht verlängern.
Alles andere ist kein Pragmatismus, sondern ein Hohn auf diejenigen, die dieses Land täglich am Laufen halten.



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